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Angelesen         

Lesetipps, mal sachlich, mal unterhaltend - aber ums Reisen geht's irgendwie immer. Zumindest aber um Reiseziele.

Texterlei

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Aylin und Stefan Krieger (Hrsg.): Reisehandbuch Deutschland im Winter

Veröffentlicht am 23.11.2018

Das zweite Buch in diesem Jahr, das mir schon beim bloßen "in die Hand nehmen" große Freude bereitet hat! Weil es optisch wie haptisch Lust aufs Lesen machen. Weil man sich schon da sicher sein kann, dass es auch inhaltlich halten wird, was der erste Eindruck verspricht. Weil Grafik und Gestaltung bereits beim Titel solch eine Liebe zum Detail zeigen, die man nur haben kann, wenn man weiß, was zwischen der ersten und letzten Umschlagseiten alles kommt. Und wie dem einen würdigen Rahmen geben. Kurz: Weil es einfach stimmig und gut gemacht ist.

Deshalb sei auch die Umschlagillustration von Henry Rivers besonders erwähnt, die ein Hauch von Winterpoesie umgibt: Zart angelegt und doch klar in der Darstellung, farblich ein bisschen winterkalt und in den Details doch heimelig warm, eine scheinbar "eingefrorene Szene" und doch so lebendig. Hinzu kommt die akzentuierende Prägung des eigentlichen Buchtitels, mit den Fingerspitzen ebenso ertastbar wie mit dem bloßen Auge erkennbar. Das jemand bei einem Reiseführer in solche Details investiert. Wie schön!

Und so geht es im „Reisehandbuch Deutschland im Winter. Geheimtipps von Freunden“, erschienen im Reisedepeschen Verlag (192 Seiten, € 22,00), denn auch drinnen zwischen den Umschlagseiten weiter. Einfach wunderbar! Der Eigenbeschreibung, es sei "eine gemischte Tüte, farbenfroh gefüllt mit ausgefallenen Ideen, um die eigene Heimat im Herbst und Winter zu entdecken", kann ich wenig hinzufügen, denn so ist es.

Das Herausgeber-Duo hatte eine klare Vorstellung, was sie mit dem Buch deutlich machen wollten: "Man muss nicht in ferne Länder reisen, um Unvergessliches zu erleben. Ganz nach der Devise »Endlich Winter« haben wir jede Menge ungewöhnliche Orte, Events und Ausflüge zusammengetragen. Ein Reisehandbuch für echte Winterfans, aber eben auch für all diejenigen, die sich bisher lieber vor dem Kamin einkuschelten und von Palmen und Strand träumten." Was soll ich sagen? So ist es!

Knapp 50 Autoren, allesamt von Haus aus Onliner, sprich Reiseblogger, haben dafür in ihren digitalen Reisetagebüchern gestöbert und kleine, feine Geschichten und ansprechende Fotos aus dem Norden, Osten, Süden und Westen dieser unserer Republik zusammengetragen. Und selbst wenn man ein Mainstream-Schlagwort oder einen Must-See-Ort findet, wird man schnell feststellen – das sind auch dafür trotzdem keine Reisetipps wie sie sonst in Reiseführern stehen. Dafür sorgt nicht zuletzt der bloggertypische sehr persönliche Zungenschlag und Erzählstil, der bei jedem anders ist. Außerdem bekommen (fast) alle Mitschreiber ein Gesicht und man erfährt auch, wo man mehr von ihnen lesen kann. Ich werde sicherlich bei dem einen oder andere weiterlesen, so viel steht fest.

Schließlich ist klar, auf nicht mal 200 Seiten kann man nicht jede Ecke Deutschlands abbilden. Vielleicht mag es den einen oder anderen geben, der mehr oder anderes erwartet – ich für meinen Teil habe mich wunderbar an die Hand genommen und vor allem inspiriert gefühlt. Und fand die konsequente Konzentration auf unbekanntere Ziele im scheinbar Bekannten und ihre Möglichkeiten im Winterhalbjahr, schlechtes Wetter eingeschlossen, großartig. Auch die teils winterfrischen Perspektiven. Dafür gibt’s ja dann auch aufwärmende Tipps am Ende jeder Großregion wie "Bemerkenswerte Museen" (auch da war für mich manche Neuentdeckung dabei), "Weihnachtsmärkte" und "Badespaß und Wellness".

Eine Großstadt pro Region kommt besonders zu Geltung (Hamburg, Berlin, München und Köln), ansonsten geht es mal raus aufs Land oder in jene Ecken von scheinbar bekannten Städten, die so längst nicht jeder gleich auf dem Schirm hat. Auch ich nicht. Und ich persönlich laufe auch gerne da lang, wo nicht alle langlaufen. Sehr schön, dass auf Nachhaltigkeit wert gelegt wurde (nicht nur beim Papier); soweit möglich, ist die Anreise mit Bus, Bahn und ÖPNV benannt. Wer sich also bei Eis und Schnee lieber fahren lässt, auch der kommt hier gut informiert ans Ziel.

Kurzum: So schön kann Winter in Deutschland sein! Trotz Regenschmuddel und Nebelgrau. Das hat es ja beides auch nicht immer. Es gibt auch die sonnenklaren, stahlblauen, eiskalten Tage. In diesem Führer findet man für die einen wie die anderen Reise-Ideen für kurze Auszeiten und kleine Alltagsfluchten. Ein Buch, da sich zu verschenken lohnt. Gerade jetzt im Winter.

Ein Zitat des Verlags möchte ich noch aufgreifen, denn auch das kann ich nach der Lektüre voll unterschreiben und bestätigen, dass jede Buchseite genau das widerspiegelt: "Der Wert eines tollen Buches hat durch den Boom der Reiseblogs nicht verloren, im Gegenteil. Unsere Bücher fungieren als manuelles Bindeglied zwischen Lesern und virtuellen Kanälen. Für viele Themen ist ein Buch auch in Zukunft das optimale Medium." Genau so ist es.

Denn wenn dabei so etwas Ansehnliches, Erspürbares und Lesenswertes herauskommt, dann allemal.

Ich habe beim Crowdfunding zu diesem Buch-/Verlags-Projekt mitgemacht – und es demnach, wie im Übrigen alle (Hör-)Bücher in dieser Rubrik, wo nichts dabei steht, aus persönlicher Lese- und Buchleidenschaft gekauft (oder mir schenken lassen).

Katariina Vuori, Janne Pekkala: Das Sauna-Kochbuch. Vom Aufguss zum Hochgenuss

Veröffentlicht am 21.11.2018

Dieses Kochbuch ist alles, nur nicht gewöhnlich – und das liegt nicht nur daran, dass dafür tatsächlich in verschiedensten Saunen in ganz Finnland gekocht wurde! Nomen est omen gilt also im "Sauna-Kochbuch" zu 100 Prozent. Und passend zum Auftakt der kalten Jahreszeit ist es in diesem Herbst nun auch in deutscher Sprache im btb Verlag (192 Seiten, € 20,00) erschienen.

Man liest also nicht nur Rezepte, oh nein! Man lernt obendrein jede Menge über finnische Lebensart, fern solcher Klischees wie "Die spinnen, die Finnen".

Wem ist hierzulande schon bewusst, dass eine Sauna weit mehr kann, als Menschen zum Schwitzen zu bringen? Denn im Buch lernt man, "dort wurde schon immer geboren, gestorben und genossen". Man erfährt zudem, dass es "die" finnische Sauna im engeren Sinne nicht gibt, sondern diese höchst variantenreich ist. Und man muss sich damit beschäftigen, dass es auch nicht "den" Saunaofen gibt – ergo das Zubereiten von Mahlzeiten immer wieder anders ist. Aha, nicht nur Aufgüsse sind also eine Sache für sich!

Wer keine Sauna im heimischen Keller hat (was wohl auf das Gros der Leser und Nutzer zutreffen dürfte, mich ein geschlossen), dem entgeht zwar jene schön-schräge Koch-Atmosphäre, die der reich bebilderte Band fern jedem Voyeurismus liebevoll in Szene setzte (das herrliche Cover lässt es schon erahnen), aber alle Rezepte lassen sich auch am heimischen Herd, im Backofen oder auf einem Grill zubereiten.

Apropos: Was für ein Aufguss darf’s denn sein? Dieses Buch folgt deswegen auch keiner klassischen Rezepteinteilung, sondern orientiert sich an den Gegebenheiten der jeweiligen Sauna – und in welcher Gegend diese steht. Man kommt also speisend richtig rum, kreuz und quer durch Finnland … was für mich immer die schönsten Kochbücher sind. Weil sie eben "mehr" sind als Rezeptsammlungen.

Aber von denen gibt es natürlich bei allen anderen "heißen" Themen in diesem Buch noch eine Menge. Über 90 Stück, um genau zu sein. Sie reichen von Backwerk über Fisch und Fleisch bis zu Ofenkartoffeln und Gemüse, sind mal herzhaft, dann überraschend süß, dabei in der Regel leicht nachzukochen, denn in einer echten Sauna ist eben kein Platz für Schi Schi. Sterneküche mag anders aussehen, aber Appetit bekommt man hier beim Lesen allemal. Und der Hunger dann beim Nachkochen.

Und keine Sorge: Manche Zutaten wie etwa Moltebeeren, Elch- oder Rentierfleisch und Salmiak-Sirup sind zwar typisch finnisch. Um an sie heranzukommen, muss man jedoch nicht erst nach Finnland in Urlaub fahren. Fast alles lässt sich bequem per Internet bestellen!

Da es also nicht nur bei mir an der Sauna hapern dürfte, ist demnach auch das keine weitere Hürde, die einen davon abhalten sollte, das Buch zu kaufen. Im Gegenteil. Denn es hält, was der Untertitel verspricht: Man gelangt vom Aufguss zum Hochgenuss.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Maria Wiesmüller: Sissis Lieblingsrezepte

Veröffentlicht am 19.11.2018

Erschienen in der Reihe KOMPASS KÜCHENSCHÄTZE im eigentlich seit 50 Jahren vor allem für aktuelle, gps-genaue und benutzerfreundliche Wander- und Radkarten sowie Wander- und Skitourenführer bekannten KOMPASS Verlag (96 Seiten, € 6,95) sollte man sich vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen:

Was, so klein ist das Kochbuch (in der Tat gerademal 9,5 auf knapp 16 Zentimeter!)? Quasi hosentaschentauglich? Was soll denn da Gescheites drin stehen? Asche auf mein Haupt, das mir sowas überhaupt durch den Kopf schoss. Ich wurde ganz schnell eines Besseren belehrt! Hier steckt eine Menge kaiserlich-königliche Donaumonarchie drin. Sozusagen die kulinarisch-köstliche Doppelmonarchie.

Neben der kurzweiligen, mehrteiligen Einführung, die natürlich auch die wichtigsten Lebensstationen von Sissi nachzeichnet, laden zum Beispiel verschieden große Sichtkästen zu lukullischen Streifzügen auf den Spuren der vielgereisten Kaiserin durch den k. und k. Vielvölkerstaat ein – und führen (sehr oft unter dem Motto "Interessant für Sie") mit ihren Anekdoten doch immer wieder zu regionalen Produkten und Spezialitäten.

Manches der 90 ausgewählten Rezepte mag den Leser dabei erstaunen, ist doch bekannt wie Figur-bewusst die bis ins Alter gertenschlanke Kaiserin war und wie kalorienreich gerade so manche Süß- und Mehlspeise der Alpen-Republik sein kann. Doch leicht nachzukochende Anleitungen dafür finden sich in dieser Sammlung ebenso wie Backideen für Torten und Gebäck – aber auch Ideen für alles, was ein Mehrgang-Menü „kaiserlich“ (üppig) macht. Beilagen-Ideen und Zubereitungs- oder Serviertipps runden die einzelnen Rezepte ab, so dass man sich bis zum letzten Arbeitsschritt an die Hand genommen fühlt.

Einziges Manko, wenn man es denn überhaupt so bezeichnen will: Die Bebilderung ist der Buchgröße geschuldet sehr reduziert und beschränkt sich auf ausgewählte Gerichte. Aber ich gestehe: Manchmal schüchtern mich Rezeptfotos auch fast ein, wohlwissend, dass das bei mir am Ende nie so perfekt aussehen wird. Da kann ich mir noch so oft vor Augen halten, dass es dafür ja extra Food-Stylisten gibt, die das Essen für diese Aufnahmen besonders raffiniert und ansprechend in Szene setzen. Mogeleien inklusive. Man hat dann eben ein Bild vor Augen und meint, dahin kommen zu müssen. Das kann anspornend wirken, aber eben auch zu Frust führen. Von daher habe ich in Sachen Fotos nichts vermisst.

Mich persönlich verbindet mit Sissi ja ihre Liebe zu Ungarn, weswegen mein suchender Blick im Stichwortverzeichnis übrigens als Erstes auf diese ihre Lieblingsrezepte fokussierte. Ich wurde nicht enttäuscht: Ob Dobos-Torte oder Gundel-Palatschinken, Pörkölt (was unserem Gulasch entspricht) oder Halászlé (Fischsuppe … hm, ich erinnere mich an den Besuch des entsprechenden Festes in Baja, leider Jahre her) – meine Favoriten waren schon mal da, wunderbar! Denn ja, nach Budapest müsste ich unbedingt mal wieder. Und an den Balaton. Und in die Puszta. Leider muss im Moment reichen, dass ich mich gut angeleitet dorthin kochen kann.

Doch vorher ein Zwischenstopp in Wien. Mit Kaiserschmarrn zum Beispiel. Köstlich! Der wurde übrigens eigentlich extra für die Kaiserin kreiert. In Bad Ischl, so heißt es. Sie mochte ihn jedoch der Rosinen wegen nicht, dafür mundete er umso mehr dem Kaiser. Der Rest? Ist Küchengeschichte! Den Weg ins Büchlein hat sein Rezept trotzdem gefunden, obwohl er nicht wirklich ihre Leibspeise wurde. Naja, ob Sissi oder Franzl, da wollen wir mal nicht so genau sein …

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Margareta Schildt Landgren: So schmeckt Schweden

Veröffentlicht am 15.11.2018

Nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig: So könnte man Lagom, die schwedische Lebensart beschreiben, die für Ausgewogenheit, Harmonie und den goldenen Mittelweg steht.

Das trifft auch auf die schwedische Küche zu, die diesem Prinzip folgend zwar scheinbar unaufgeregt und einfach ist, aber das Auge ebenso gekonnt anspricht wie sie den Gaumen berührt – und zu jeder Jahreszeit anders schmeckt. Was einem das Kochbuch "So schmeckt Schweden", erschienen bei Lifestyle Busse Seewald (128 Seiten, € 19,95), mit seiner eher ungewöhnlichen Rezept-Aufteilung in Frühling, Sommer, Herbst und Winter denn auch eindrucksvoll vor Augen führt.

Und die oft puristischen, dabei stets das Wesentliche fokussierenden Foodbilder unterstreichen: Man ist eben doch, was man isst! Ob nun herzhafte Köttbullar oder feine Zimtschnecken (um mal zwei beliebte Klassiker zu nennen, deren Koch- und Backanleitung hier natürlich nicht fehlen dürfen).

Übersichtliche Zutatenlisten und knappe, doch präzise Rezepte nehmen den Leser dabei ganz leicht an die Hand und versprechen ihm wie begleitenden Fotos auch: Das kriegt jeder hin! Auch Du! Das Perfekte liegt womöglich im "Unperfekten"? Herrlich!

Gut gefallen hat mir ein persönlicher Akzent, der sich durch das ganze Buch zieht: Kurze einleitende Zeilen pro Rezept lassen einen auf eine charmante Art durch die Heimat der Autorin und die Jahreszeiten reisen – und enthalten fast immer noch einen kleinen Produkt- oder Serviertipp. So lernt man ganz nebenbei das eine oder andere, ohne dass es belehrend wirkt. Oder es einem irgendwann über wird. Im Gegenteil. Aber das ist wohl auch kein Wunder: Schildt Landgren ist schließlich seit langem Food-Journalistin, Rezeptentwicklerin und Autorin von inzwischen rund zwanzig Kochbüchern – und weiß ganz offensichtlich wie man zum Schmökern und Schlemmen verführt. Mich hat sie jedenfalls voll erwischt.

Für Schweden-Fans ein köstliches Geschenk! Auch wenn man ja erst noch kochen muss … aber dann auf jeden Fall. Gerne auch herzhafte Köttbullar oder feine Zimtschnecken. Oder doch mal Neues wagen? Mit dem Kochbuch kein Problem. Also auf nach Schweden. Am Herd. Oder im Backofen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Holger Wetzel: 42 Minuten Hamburg

Veröffentlicht am 13.11.2018

Ich sag's gleich vorweg – mit dem Layout dieses Buchs fremdele ich stellenweise doch sehr. Vielleicht bin ich ja für fliegende Buchstaben, aus denen man sich Wörter zusammensetzen muss, und ablenkende Spielereien inzwischen zu old style. Vielleicht bin auch kein echtes Mädchen, wenn ich anmerke, dass ich mich mit dem für große Teile des Umschlags und als Kontrastfarbe genutzten, schreienden Pink farblich so gar nicht anfreunden kann.

Aber die Geschmäcker sind bekanntlich immer verschieden – und vielleicht finde ich mit jedem Reinlesen doch noch Gefallen daran oder verstehe zumindest besser, warum Optik und Haptik des Buchs gerade so und nicht anders sind. Wer weiß.

Denn noch öfter darin blättern und lesen, das werde ich in jedem Fall noch, denn längst habe ich noch nicht alle "42 Minuten Hamburg – Geschichten aus der Hamburger Ringlinie" gelesen (Vergangenheitsverlag, 304 Seiten, € 19,99). Denn die zugrundeliegende Idee war es, die mich neugierig auf das Buch gemacht hat, nicht die Aufmachung: Hamburg im Kreis zu entdecken. Mit der (heutigen) U3. Um zwar immer die gleiche Runde durch die Hansestadt zu drehen und sie doch jedes Mal anders zu erleben, neu zu erfahren. Im wahrsten Wortsinn.

Weil eben der Einstieg immer ein anderer ist und der Mitfahrer sowieso. Ein, zwei, drei der Namen kennt man (allen voran Tagesschausprecher Thorsten Schröder), andere vielleicht, je nachdem ob man Hamburger ist oder schon oft zu Besuch dort war, aber die meisten sagten mir persönlich erst mal nichts. Und die machten mich besonders neugierig. Promis interviewen kann jeder, aber "einfach so" Menschen finden, die was zu erzählen haben? Das hat was!

Sehr viel sogar. Denn nicht nur jeder Gesprächspartner ist anders (und die, wie der Verlag sie betitelte, Originale sind bei Weitem nicht alle original Hamburger), offensichtlich hat auch jedes Gespräch eine andere Dynamik entwickelt – obwohl alle gleichlang dauerten (eigentlich). Eben 42 Minuten. So lang, wie die Hamburger Ringlinie braucht, um dort wieder anzukommen, wo man eingestiegen ist. So liest man mal echte Interviews im Frage-Antwort-Modus, dann klassische Portraits mit O-Tönen oder eben Reportagen, wo man mit Autor Holger Wetzel auf seinen "Fahrgast " trifft und es sich anfühlt, als würde man mit jeder Zeile just in dem Moment mit den beiden unterwegs sein. Was dann doch nicht immer oder ausschließlich in einem U-Bahn-Waggon ist, wie man zu lesen bekommt.

Herausgekommen sind große und kleine Geschichten, die einem ein Hamburg kennenlernen und entdecken lassen, das man so in klassischer Reiseliteratur wohl schwerlich finden wird. Vielleicht kam der Verlag daher auf den sperrigen Begriff Ausflugs-Literatur für das Buch?

Denn ja, auch die unternimmt man. An der jeder Haltestelle bzw. jedem Kapitelende. Doch auch dort bleibt es bei der Zeitvorgabe von (eigentlich) 42 Minuten (denn manchmal wird auch ein verlängernder Schlenker empfohlen, den kann man dann wohl nur joggend in der Zeit absolvieren): Was kann man ich von dort aus in einer knappen Dreiviertelstunde spazierend entdecken? Was ist architektonisch oder historisch rund um die eigentliche Haltestelle und darüber hinaus interessant? Manches (er)kennt man, manches aber eben auch nicht. Illustriert sind die Erkundungsgänge mit historischen sowie aktuellen Fotos, ergänzt wurden sie mit Gastro- und Shoppingtipps sowie kulturellen Sidekicks, die so wohl auch nicht jeder hat.

Mein Fazit? Ein Buch, das sich nicht wirklich einordnen lässt und gerade deswegen so spannend ist. Ob es in meinen Reiseführer-Regal landen wird? Da bin ich mir noch nicht sicher. Aktuell dreht es erst noch seine Runden an meinen Leseplätzen in der Wohnung.

Es ist eben kein klassischer Hamburg-Führer – und führt einen doch durch die Stadt. Es geht zwar um viele Menschen und ihre Geschichten – und doch immer um die Ringlinie und ihre Historie. Das Buch blickt manchmal tief ins Gestern – und ist doch ganz im Hier und Jetzt. Es ist ein kleiner Schmöker für das angeblich so schlechte Hamburger Wetter (das auf den Portraitfotos an den Haltestellen auch mal zu sehen ist), denn man kann so schön mit ihm im Warmen (im U-Bahn-Waggon) sitzenbleiben – und doch juckt es einen, an jeder Station auszusteigen, ob nun die Sonne scheint oder doch Schietwetter herrscht.

Was mir die ersten Geschichten vermittelt haben? Es wird Zeit, dass ich mal wieder gen Norden reise. Und U-Bahn fahre. Wer weiß, vielleicht treffe ich dabei ja den einen oder anderen der Protagonisten. Wenn nicht dort, dann weiß ich, wo ich alle sonst so finden könnte. Im Orchestergraben zum Beispiel, am Radiomikrofon, auf einer Hafenbarkasse. Im Chefsekretariat, Teppichladen und Architekturbüro. Oder an einem Radl-Stand mit vielversprechenden Kochtüten. Klingt spannend? Sag ich doch! Bis dahin lese ich noch ein bisschen. Und fahre mit im Kreis herum. Und fange fliegende pinke Buchstaben ein. Vielleicht wird die haptisch-optische Umsetzung dann doch noch meins. Wer weiß.

Die Ringlinie und ihre Fahrgäste jedenfalls haben es mir angetan. Sehr sogar. Weshalb ich sage: Für Hamburger, echte wie bekennende, und ausgewiesene Fans der Hansestadt ist "42 Minuten Hamburg" ein prima Präsent, weil auch sie Neues über diese (ihre) Stadt lernen werden – und für künftige Hamburg-Reisende ist das Buch mal ein ganz anderer Ansatz, sich der Stadt lesend zu nähern und vielleicht sogar vor Ort so unterwegs sein. Mit der Ringlinie. Für einige 42 Minuten.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Autor zur Verfügung gestellt.

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